Maria Sibylla Merian: Forscherin, Künstlerin, Wegbereiterin

Im späten 17. Jahrhundert bewies eine bemerkenswerte Frau, dass Kunst einen Platz im MINT-Begriff verdient. Maria Sibylla Merian prägte nachhaltig die Welt der Naturwissenschaften und Kunst. Sie ist eine der ersten Entdeckerinnen der Insektenwelt und legte auch den Grundstein für die moderne Entomologie (Insektenkunde). Mit ihren detailreichen Illustrationen und präzisen Beobachtungen eröffnete sie eine 
neue Perspektive auf die Natur und das Verständnis von Insekten und deren Lebenszyklen.

Leben und Ausbildung

Maria Sibylla Merian wurde am 2. April 1647 in Frankfurt am Main geboren. Sie war die Tochter des bekannten Schweizer Kupferstechers Matthäus Merian. Schon in jungen Jahren zeigte sie ein großes Interesse an der Natur und der Kunst. Als ihr Vater verstarb, heiratete ihre Mutter ein Jahr später den „Blumenmaler Jakob Marell“ (Maria S. Merian (1647 – 1717) – MERKE), welcher ihr viel beibrachte, bezogen auf Zeichenkunst und Pflanzen. Ihre Eltern förderten ihr Talent und ermöglichten es ihr, die Welt der Natur zu erkunden. Merian begann als Teenager selber Pflanzen und Insekten zu zeichnen, was den Grundstein für ihre späteren wissenschaftlichen Arbeiten legte. Mit 18 Jahren heiratete sie Johann Andreas Graff, den Architekturmaler, mit welchem sie zwei Jahre später eine Tochter bekam. 1678 wurde sie Mutter ihrer zweiten Tochter. 1685 ließ sie sich scheiden und zog mit ihren Töchtern in die Niederlande zu ihrem Stiefbruder und schließlich nach seinem Tod nach Amsterdam, wo sie längst keine Unbekannte mehr in Naturwissenschaftskreisen war.

Wissenschaftliche Karriere

In den 1670er Jahren begann Merian, sich intensiver mit der Entomologie zu beschäftigen. Sie beobachtete und dokumentierte die Lebenszyklen von Insekten, insbesondere von Schmetterlingen. 1675 veröffentlichte sie ihr ersten Buch „Neues Blumenbuch“. 1677 folgten die nächsten zwei Teile ihres Buches.

Ihr zweites Buch über die Entwicklungsstadien von Schmetterlingen erschien weitere zwei Jahre später. Es begründete eine neue Wissenschaft, die der Insektenkunde. Zu der Zeit war das Interesse an Insekten höchst ungewöhnlich besonders für eine Frau. Zur damaligen Zeit wurde angenommen, dass es sich bei Kleingetier um „Teufelsgetier“ handele. Maria S. Merian (1647 – 1717) – MERKE

In den Niederlanden erfuhr die 38-jährige zum ersten Mal von der Vielfalt der Flora und Fauna in Südamerika und der Wunsch selbst einmal dort hin zu reisen, wurde geboren. 1699 bekam Merian ein Reisestipendium für sich und ihre Tochter und reiste nach Suriname (eine damalige niederländische Kolonie in Südamerika). Ihre Beobachtungen führten zu bahnbrechenden Erkenntnissen über die Lebensweise von exotischen Insekten und deren Wechselwirkungen mit Pflanzen.


Dort entstand ihre später berühmteste Arbeit: “Metamorphosis Insectorum Surinamensium”, welche 1705 veröffentlicht wurde. Das Werk enthielt Abbildungen über Tiere und Pflanzen, die zu dem Zeitpunkt in Europa völlig unbekannt waren, genauso wie der Prozess der Metamorphose von Insekten. Zehn Jahre später erlitt sie einen Schlaganfall, welcher sie teils lähmte. Sie arbeitete jedoch kontinuierlich weiter bis zu ihrem Tod im Jahre 1717.

Erbe und Einfluss

Merian war nicht nur eine Wissenschaftlerin, sondern auch eine talentierte Künstlerin. Sie kombinierte Kunst und Wissenschaft auf eine Weise, die zu ihrer Zeit einzigartig war. Ihre Fähigkeit, die Schönheit der Natur einzufangen und gleichzeitig wissenschaftliche Informationen zu vermitteln, machte ihre Arbeiten zu einem wichtigen Beitrag zur Naturgeschichte. Sie stellte kolorierte Kupferstiche her und schlüpfte somit in die Fußstapfen ihres Vaters.
Maria Sibylla Merians Einfluss auf die Wissenschaft und die Kunst ist bis heute spürbar. Sie wird oft als Vorreiterin der modernen Entomologie angesehen und hat viele nachfolgende Wissenschaftler:innen inspiriert. Ihr Werk hat dazu beigetragen, das Verständnis für die Bedeutung von Insekten in Ökosystemen zu fördern und das Bewusstsein für die Notwendigkeit des Naturschutzes zu schärfen.