MINT+ steht für eine Erweiterung der MINT-Bildung: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik werden stärker mit Zukunftskompetenzen, kreativ-künstlerischen Ansätzen und gesellschaftlicher Verantwortung verbunden. So sollen junge Menschen nicht nur fachliche Kompetenzen entwickeln, sondern auch darin gestärkt werden, neugierig zu bleiben, kreativ zu denken und ihre Zukunft aktiv mitzugestalten.
Deutschland baut auf einer vielfältigen MINT-Bildungslandschaft auf: Robotik-Workshops, Schüler:innenlabore, Makerspaces, Wettbewerbe und viele weitere Angebote schaffen Begeisterung und eröffnen jungen Menschen Zugänge zu Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
Der Aktionsplan MINT+ von dem Bundesbildungsministerium und dem Bundesforschungsministerium versucht, aus vielen einzelnen Ansätzen eine gemeinsame Richtung zu entwickeln: MINT soll stärker mit Zukunftskompetenzen verbunden werden, außerschulische Angebote als Teil des Ökosystems deutlich enger verzahnt werden mit Schule und anderen formellen Bildungsinstitutionen, dadurch sollen Bildungswege zusammenwachsen. Erfolgreiche wirkungsvolle Projekte sollen bessere Chancen bekommen, langfristig zu bestehen.
Das klingt zunächst abstrakt. Dahinter steckt aber eine ziemlich konkrete Frage: Wie muss MINT-Bildung aussehen, wenn junge Menschen nicht nur auf die Arbeitswelt von morgen vorbereitet werden, sondern die Welt selbst mitgestalten sollen?

Aktionsplan MINT+
Der Aktionsplan MINT+ bündelt die bundesweiten Maßnahmen zur Stärkung der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik und verbindet MINT systematisch mit kreativen, fächerübergreifenden, gesellschaftlichen und unternehmerischen Perspektiven.
Kernziel ist der Aufbau eines qualitätsgesicherten MINT-Ökosystems sowie einer MINT-Talentarchitektur, die Breitenförderung und Exzellenzförderung entlang der gesamten Bildungsbiografie miteinander verknüpft.
Die 4 zentralen Handlungsfelder (Säulen):
1. Kohärente Förderung im Bildungs-Ökosystem
Vernetzung von formalen (Schulen, Kitas, Hochschulen) und non-formalen Bildungsangeboten (Schülerlabore, Makerspaces) sowie Ausbau lokaler und regionaler Lernorte zur Vermeidung isolierter Bildungsstationen.
2. Chancengerechte MINT-Bildung
Abbau von Zugangsbarrieren und Geschlechterstereotypen, um gezielt Mädchen, Frauen sowie sozioökonomisch benachteiligte Zielgruppen nachhaltig für MINT zu gewinnen.
3. MINT-Fachkräfte (Talentförderung & technologische Souveränität)
Gezielte Förderung des wissenschaftlichen und beruflichen Nachwuchses in Schlüsseltechnologien (z. B. KI, Quantentechnologie, Mikroelektronik, 6G, Robotik) zur Sicherung der Innovationsfähigkeit Deutschlands.
4. Innovative Partnerschaften & Professionalisierung
Qualitätsentwicklung und Qualifizierung von MINT-Akteur:innen, Stärkung von Kooperationen mit der Wirtschaft und Etablierung neuer nachhaltiger Förder- und Finanzierungsinstrumente.
In die Breite denken
Programmieren können, mathematische Zusammenhänge verstehen oder naturwissenschaftliche Phänomene erklären, all das bleibt wichtig. Aber in einer komplexen Welt mit multiplen Herausforderungen gilt es, über die Disziplinen hinweg zu denken.
Wer sich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigt, muss beispielsweise nicht nur verstehen, wie Algorithmen funktionieren. Es stellen sich unmittelbar weitere Fragen: Welche Entscheidungen wollen wir Maschinen überlassen? Wie erkennen wir Verzerrungen in Daten? Welche gesellschaftlichen Folgen hat eine Technologie? Und wer trägt dafür Verantwortung? Ähnliches gilt für Klimaschutz, Energieversorgung, Mobilität oder Biotechnologie. Technische Probleme existieren selten isoliert von wirtschaftlichen, sozialen oder ökologischen Fragen.
Genau hier liegt eine Stärke des MINT+-Gedankens. MINT-Bildung wird mit Kompetenzen verbunden, die über reines Fachwissen hinausgehen: kritisch denken, kreativ Lösungen entwickeln, gemeinsam arbeiten, kommunizieren und Verantwortung übernehmen.
Besonders wichtig ist deshalb projektbasiertes und forschendes Lernen, bei dem junge Menschen eigene Fragen entwickeln, Probleme untersuchen, unterschiedliche Lösungswege erproben und dabei erfahren, dass ihre Ideen Wirkung entfalten können.

Vom MINT-Erlebnis zum MINT-Bildungsweg
Genauso spannend wie dieser erweiterte Kompetenzbegriff ist ein anderer Gedanke des Aktionsplans: der MINT-Bildungsweg. Denn für viele Kinder und Jugendliche besteht die außerschulische MINT-Bildung heute aus einzelnen Erlebnissen und Momenten. Ein guter Workshop kann Begeisterung wecken. Ein Besuch im Makerspace kann zeigen, dass Programmieren Spaß macht. Ein Wettbewerb kann ungeahnte Fähigkeiten sichtbar machen und kombiniert oftmals die verschiedenen fachlichen Disziplinen.
Aber was kommt danach?
An dieser Stelle besteht Gefahr, dass Potenziale verloren gehen. Gleichzeitig liegt hier eine große Chance: Schulen, Bibliotheken, Hochschulen, Makerspaces, Unternehmen und Ferienangebote bieten bereits vielfältige Möglichkeiten, MINT zu entdecken und Interessen zu vertiefen. Werden diese Angebote noch enger miteinander verknüpft, können daraus anschlussfähige Bildungswege entstehen. Bundesweit organisieren verschiedene Formen von MINT-Netzwerken die regionalen Angebote solcher Schülerinnenlabore und Angebote – jedoch noch lange nicht flächendeckend oder in der Menge, wie eigentlich notwendig. Der Aktionsplan will deshalb stärker in Bildungsbiografien statt in Einzelmaßnahmen denken.
Ein zwölfjähriges Mädchen, das bei einem Ferienangebot erstmals programmiert und daran Gefallen findet, sollte anschließend wissen können, wo es weitermachen kann. Vielleicht in einer AG, später über ein Mentoringprogramm, einen Wettbewerb, ein Schüler:innenlabor und irgendwann über ein Praktikum oder Studium.
Talente entdecken und Chancen eröffnen
Der MINT-Frühjahrsreport 2026 beziffert die Fachkräftelücke in den MINT-Berufen für März 2026 auf 77.400 Personen. Das ist trotz der schwachen Konjunktur eine erhebliche Zahl. Doch wer die Förderung von MINT-Bildung nur mit offenen Stellen begründet, greift zu kurz. Denn mindestens ebenso relevant ist die Frage: Wie können wir noch mehr junge Menschen dabei unterstützen, ihre Talente zu entdecken und zu entfalten? Noch immer beeinflussen Geschlecht, soziale Herkunft, Vorbilder und regionale Bildungsangebote, wie junge Menschen überhaupt mit MINT in Berührung kommen und ob sie sich selbst zutrauen, in diesem Bereich erfolgreich zu sein. Ein Mädchen, das nie eine Programmiererin kennenlernt. Ein Kind auf dem Land, dessen nächstes Schüler:innenlabor 80 Kilometer entfernt liegt. Ein Jugendlicher, dessen Familie mit Hochschulen und technischen Berufen kaum Berührungspunkte hat. Talente zeigen sich auf vielfältige Weise und brauchen passende Gelegenheiten, um entdeckt und gefördert zu werden.
Deshalb sind Initiativen wie Girls’Day, CyberMentor oder die Stiftung Kinder forschen so wertvoll. Sie eröffnen Kindern und Jugendlichen neue Zugänge zu MINT und machen unterschiedliche Bildungs- und Berufswege sichtbar. Die noch viel engere Verzahnung dieser Angebote mit formellen Bildungsinstitutionen, wie Schulen, Kita und Hochschulen ist umso wichtiger.
Aus guten Projekten nachhaltige Strukturen schaffen
Deutschland verfügt bereits über zahlreiche erprobte MINT-Angebote, die Begeisterung wecken und Talente fördern. Damit diese Wirkung langfristig bestehen und weiter wachsen kann, braucht es verlässliche Perspektiven für diese Projekte.
Der Aktionsplan MINT+ will deshalb stärker auf Kooperationen zwischen öffentlicher Hand, Wissenschaft, Wirtschaft, Stiftungen und Zivilgesellschaft setzen. Ein Matching-Mechanismus soll öffentliches Geld mit privatem Engagement verbinden. Was nachweislich funktioniert, kann so dauerhaft Wirkung entfalten und seine Erfahrungen auch für andere Angebote und Regionen nutzbar machen.
MINT+ ist längst eine europäische Frage
Auch auf europäischer Ebene ist die Frage nach naturwissenschaftlich-technischen Kompetenzen inzwischen eng mit Wettbewerbsfähigkeit, digitaler und grüner Transformation sowie gesellschaftlicher Teilhabe verbunden. Mit der Union of Skills und dem europäischen STEM Education Strategic Plan hat die EU MINT-Kompetenzen ausdrücklich zu einem strategischen Thema gemacht. Es geht um bessere Grundkompetenzen, mehr Frauen in MINT, lebenslanges Lernen und darum, Europa für technologische Veränderungen besser aufzustellen.
Der deutsche Aktionsplan ist deshalb Teil einer größeren Entwicklung. Das ist gerade bei Zukunftstechnologien entscheidend. Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik, Energie- und Klimatechnologien machen nicht an Landesgrenzen halt. Die Frage, welche Kompetenzen junge Menschen dafür benötigen, kann deshalb ebenfalls nicht ausschließlich national beantwortet werden. MINT+ sollte also auch bedeuten: voneinander lernen, Bildungsansätze international vergleichen und jungen Menschen ermöglichen, MINT als europäisches Gestaltungsfeld zu erleben.
MINT-Bildung ist auch Demokratiebildung
MINT-Bildung eröffnet Menschen die Möglichkeit, technologische und wissenschaftliche Entwicklungen besser zu verstehen, einzuordnen und somit mitzugestalten. Wer versteht, wie Daten entstehen, kann Statistiken besser beurteilen. Wer grundlegende Prinzipien Künstlicher Intelligenz kennt, kann ihre Möglichkeiten und Grenzen realistischer einschätzen. Wer wissenschaftliche Methoden versteht, kann Quellen und Behauptungen besser hinterfragen. In einer Gesellschaft, in der Technologie immer stärker darüber mitentscheidet, wie wir kommunizieren, arbeiten und politische Entscheidungen treffen, wird technologische Mündigkeit damit auch zu demokratischer Mündigkeit. Damit zeigt sich eine weitere Facette des „+“: eine MINT-Bildung, die Fachwissen mit Kreativität, Urteilskraft, Zusammenarbeit und Verantwortung verbindet.
MINT-Bildung nachhaltig vernetzen und stärken
Der Aktionsplan MINT+ setzt dafür wichtige und zukunftsweisende Akzente. Er denkt Bildungswege statt Einzelangebote, verbindet MINT stärker mit Zukunftskompetenzen und schafft gute Voraussetzungen dafür, erfolgreiche Strukturen nachhaltig zu sichern und weiterzuentwickeln. Getragen wird diese Entwicklung von den Menschen, die MINT-Bildung jeden Tag gestalten, in Schulen und außerschulischen Lernorten, in Wissenschaft, Wirtschaft, Stiftungen und Zivilgesellschaft. Ihre Erfahrungen und ihr Engagement tragen dazu bei, die Ideen von MINT+ mit Leben zu füllen und dauerhaft in der Praxis zu verankern. Gezielte Förderung des wissenschaftlichen und beruflichen Nachwuchses in Schlüsseltechnologien (z. B. KI, Quantentechnologie, Mikroelektronik, 6G, Robotik) zur Sicherung der Innovationsfähigkeit Deutschlands.
Neue Impulse für die MINT-Community
Mit dem Aktionsplan MINT+ sind verschiedene neue und weiterentwickelte Förderansätze verbunden. „Regionale Lernorte für MINT+“ sollen außerschulische Lernorte wie Schüler:innenlabore, Makerspaces, Bibliotheken und Volkshochschulen stärken und MINT unter anderem mit KI und digitalen Kompetenzen, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Kultur und Entrepreneurship verbinden, auch in zentrumsfernen und strukturschwächeren Regionen.
„MINTpro“ setzt bei der Professionalisierung von MINT-Akteur:innen an und unterstützt sie dabei, Kompetenzen in Finanzierung, Fundraising und Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen aufzubauen und langfristig tragfähige Modelle zu entwickeln. Mit „OE_Erfahrungsräume“ sollen offene Bildungsmaterialien und -praktiken dazu beitragen, schulisches und außerschulisches Lernen besser miteinander zu verbinden.

Weitere Maßnahmen richten sich gezielt an Talente und den Nachwuchs in wichtigen Technologie- und Forschungsfeldern. Dazu gehören „Fusion Professionals“ und „Fusionstalente“ in der Fusionsforschung, „MissionMINT – Frauen gestalten Zukunft“, „BattFutur“ in der Batterieforschung sowie „ErUM-Pro“ und „ErUM-Data“ für Qualifizierung und Nachwuchsförderung in den Naturwissenschaften und im Bereich Digitalisierung und Big Data.
Ergänzend ist ein Matching-Mechanismus vorgesehen, der öffentliche Mittel mit dem Engagement von Unternehmen und Stiftungen zusammenbringen soll. Damit eröffnet der Aktionsplan der MINT-Community neue Möglichkeiten, Angebote zu stärken, Kooperationen auszubauen und erfolgreiche Arbeit langfristig auf eine breitere finanzielle Basis zu stellen. Wenn Ihr tiefer in die Ziele, Handlungsfelder und geplanten Maßnahmen einsteigen möchtet, findet Ihr hier alle Informationen im MINT-Aktionsplan+.

